Apples nicht so weiße Weste
Normalerweise geht es bei nowNthen um Technologie, Marketing, Zukunftstrends und faszinierende und innovative Produkte. Im besten Falle kommt ergonomisches und durchdachtes Design dazu.
Es gibt aber Momente, in denen ich Artikel oder Kommentare lese und mich ernsthaft frage, wie weit unser Gehirn schon vom weißen Klavierlack aufgeweicht ist. Es geht um folgenden Artikel: “15-jährige Fabrikarbeiter bei Apples Auftragsherstellern” bei Golem.
Kurz zusammengefasst, in einer Fertigung, eines der Apple Auftragnehmer, arbeiten 15-jährige Kinder.
Ein solcher Bericht schockiert! Ich gebe aber zu, bei dem was heute alles Tag für Tag über den Nachrichten-Stream fliegt, erwische ich mich dabei, dass ich beinahe darüber hinweg lese – traurigerweise. Die erste handvoll Kommentare stand schon unter dem Artikel und dann wurde ich stutzig… “naja gut, die Leute werden sich halt über Apple aufregen”, ich hatte genau das auch erwartet. Das was bis zu dem Zeitpunkt da an Kommentaren stand, hatte zum Thema, ob es nicht vertretbare Zustände seien. Immerhin stirbt ja keiner der Jungen daran, einer meinte, sein “Opa habe ja im Bergwerk mit 14 gearbeitet und man solle sich halt nicht so anstellen, immerhin hätten sie ja ein Dach über dem Kopf und müssten nicht hungern und auf dem Reisfeld arbeiten”.
Meine Güte, ich dachte ich träume schlecht. Es ist wirklich traurig, dass es mit kaum einem Wort darum ging, dass es nicht hinnehmbar sein kann, dass solche Zustände herrschen. Hochglanz-weiße Apple-iPhones und Rechner mit dem sprichwörtlichen “Blut” daran. Wenn ein Unternehmen wie Apple von einem solchen Zustand erfährt, müsste alles daran gesetzt werden, etwas zu verändern.
Soweit so schlecht. Man sagte bei Apple zu dem Thema dann, dass man natürlich bemüht sei, solche Arbeitsbedingungen nicht zu fördern oder zu unterstützen. Als nächstes sickerte durch, dass Apple seinen Auftragnehmern Auflagen macht. Bitteschön nicht mehr als 60 Stunden die Woche arbeiten und bei 7 Wochentagen solle es einen Ruhetag geben – praktisch, dass voll Arbeiten in China ab 16 Jahren legal ist.
Sicher, diese Zustände gibt es massenhaft auf der Welt, aber wenn wir Kenntnis davon erlangen, dann ist es eine Pflicht, als ein zivilisiertes Unternehmen, einzugreifen und etwas zu verändern. Wie war das? Einige Tage zuvor wurde bekannt, dass Apple gerade 25 Milliarden $ Barvermögen “gespart” hat, um eine große Übernahme bar zu bezahlen?
Auf der Internetseite wird damit geworben, “grüne” Produkte herzustellen, iPod, iPhone etc. sind ressourcenschonend produziert und können recycelt werden.
Wir halten uns immer für fortschrittlich, gebildet und überlegen. Wenn “die Chinesen” das Internet zensieren, dann neigen wir zu Äußerungen wie “wie kann man nur” und “Hackerangriffe auf Google – was für Methoden”… aber wenn es darum geht das UNSER Wohlstand betroffen ist, weil es “realere Preise”, zur Folge hätte, wenn man gegen solche Dinge vorginge, dann ist China schön weit weg.
Und China ist ein riesen Markt mit Milliarden potenziellen Käufern, die möchte man als Unternehmen natürlich ungern verlieren, in dem man sich mit einem Regime anlegt, was es mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt. Google, Apple, etc., alle haben Angst – weniger vor der Macht, als viel mehr davor Rendite oder Aktienkurse zu verlieren.
Wir unterstützen solche Bedingungen und Kreisläufe mit unserem Konsum – ob es uns nun passt oder nicht. Menschen können aus solchen Umständen kaum ohne Hilfe aussteigen. Würden wir das nicht tun, würde sich dann schneller etwas ändern? Ist es am Ende sogar so, dass es diesen Menschen besser geht, als denen die noch weiter unten sind, eben gerade so, dass sich ein Kampf um Freiheit und Rechte (noch) nicht “rechnet”?
Weder demonstiere ich für Greenpeace, oder Birkenstockträger oder Ruhe mich auf meinem Hintern aus… nur damit hier nicht der Eindruck entsteht, dass ich für die kapitalistische Denkweise nichts übrig habe oder Zusammenhänge nicht verstehe. Ich arbeite jeden Tag dafür, dass der Konsum schön weiter läuft – Marketingabteilung
. Es ist mein Traumjob, es macht mir Spaß, keine Frage!
Jeden zivilisierten Mensch, regt ein solcher Artikel vielleicht zum Nachdenken an. Wir haben iPhones, Hybrid-Autos und wer weiß was alles, aber im Kopf und im Herzen denken wir wie im Mittelalter! Da frage ich mich, ob wir schon einen Schritt weiter sind, seitdem wir die Höhle verlassen haben.
Irgendwie traurig!
Der eine oder andere wird sich (hoffentlich nicht) denken “was geht mich das an”, aber wenn so etwas nicht zumindest kommentiert und seine kritische Meinung sagt, dann führt Gleichgültigkeit erst recht dazu, dass sich nichts ändert! Darum geht es mir!!
Es bleibt – verdammt – spannend!
nowNthen
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