Wie findet die Information mich?

Wie findet man heutzutage Information? Klar, werden Sie sagen, www.google.de. Das ist die eine Möglichkeit, die sicherlich hinlänglich bekannt ist. Viel spannender ist doch eigentlich die Frage “wie findet mich die Information oder das Wissen, von dem ich gar keine Kenntnis habe?”.

Ein Beispiel. Ich habe heute gestern Nacht, das Schaubild unseres Sonnensystems gepostet. Eben habe ich mir das Profil desjenigen, der es veröffentlicht hat, bei Flickr angesehen. Ich habe eine Menge interessanter, ähnlicher Schaubilder, ähnlich gut illustriert, gefunden. Z.B. eines, dass auf ganz simple Art und Weise die Kunstepochen von damals bis heute grafisch zeigt. ich war wirklich platt.
Was habe ich also gemacht, ich habe den RSS-Feed von Herrn Crowe bei Flickr abonniert. In Zukunft werde ich automatisch informiert, wenn er etwas ins Netz stellt.

Was mich daran so fasziniert ist, dass es in letzter Zeit immer häufiger der Fall ist, dass ich etwas interessantes durch z.B. einen anderen Blog finde, mich dort umsehe und wieder etwas interessantes finde, usw. Hierbei geht es ja nicht um sinnlose Informationen, wie Bilder, auf denen jemand, im betrunkenen Zustand, während der Autofahrt, seinen Mageninhalt durchs offene Fenster nach draußen transportiert.
Ich interessiere mich für Marketing und das ist mein Job. Auf dem neuesten Stand zu sein ist nicht nur mein Job, sondern meine Pflicht, denn sonst ist jemand anders schneller oder weiter und beides ist nicht gerade von Vorteil. Dass ich angestellt bin, hindert mich eher am Umsetzen, dessen was ich bereits weiß. Das ist eine andere Geschichte :) Dieses Wissen, was ich durch solch ein Schaubild evtl. dazu gewinne, oder eine Fragestellung, die ich evtl. dadurch für mich löse, die ich präsentieren muss, sind von Wert! D.h. es verändert meinen Wissensstand. Ich habe aber nicht bewußt danach gesucht. Was würde passieren, wenn ich die Möglichkeit hätte, unbewußt gezielt danach zu suchen? Das hört sich widersprüchlich an, ja. Wie würde das wohl die Gesellschaft beeinflussen?

Es ist doch so. Jeden Tag strömen unzählige Informationen auf uns ein. Wir sind im Job dauernd damit beschäftigt zu selektieren, was relevant ist und was nicht. Wir nehmen Telefonate entgegen, die unwichtig sind, weil jemand sein Produkt anpreist und wir es aber gar nicht wollen, ja es nicht ansatzweise interessant ist. Es gibt bereits einige Webseiten, die nach diesem Prinzip funktionieren. “StumbleUpon” zum Beispiel. Diese funktioniert so, dass ich durch die Seiten, die ich sehe oder die mir gefallen, eine Art Profil erstellt wird. Nach und nach bekomme ich dann Vorschläge für Seiten, die evtl. für mich interessant sein könnten. StumbleUpon lernt mich also sozusagen kennen. Ich teste es noch, bisher bin ich nicht total begeistert, aber ich habe bereits einige Seiten gefunden, die mich interessieren und die ich, z.B. weil Google, auch irgendwo begrenzt ist, bisher auch nicht gefunden hätte, selbst wenn ich nach dem Begriff gesucht hätte. Geben Sie mal “Architektur” und “Design” bei Google ein. Google funktioniert hierarchisch, sozusagen von oben nach unten. Wer schaut schon nach Suchergebnissen auf Seite 7.

Das ist vielleicht das konkreteste und einleuchtendste Merkmal. Suchmaschinen können ja nur hierarchisch funktioneren. Google ist gut darin, denn Durchschnitt der Bevölkerung zu erfassen, aber MEINE persönlichen Präferenzen und Vorlieben kennt Google damit noch lange nicht!
Profile in Facebook oder eine Seite wie StumbleUpon funktionieren “quer”. D.h. ICH bin der Ausgangspunkt der Suche und nicht die Suchmaschine.

Damit wird doch eines klar. Das klassische Internet, dass wir schon nicht mehr kennen, war gestern, das Web 2.0 welches wir meinen zu kennen ist heute, aber die Entwicklung geht bereits hin zu einem neuen “Internet”, wenn man es denn überhaupt so nennen kann. Es geht einen neuen Weg, nämlich den, dass Informationen nicht gesucht werden, sondern uns finden werden. Nicht bloß einfach irgendwie, sondern genau so, wie sie uns interessieren.
“Gibt es schon” werden Sie jetzt vielleicht sagen. Dazu eine Theorie. Sie sind evtl. angemeldet bei StudiVZ? Nein? Dann bei Facebook? Nein? Dann bei XING? …das können wir durchspielen, bis wir jede der “Social-Media-Plattformen”(ich hatte das “Conversation Prism” bereits in einem früheren Artikel vorgestellt) genannt haben. Bei einer dieser Plattformen sind Sie mit Sicherheit angemeldet. Ja, auch Payback hat ein Online-Konto ;)

Je nachdem wie sehr Sie in diesem Ihrem Netzwerk aktiv sind, wissen Sie vielleicht, dass man Plattformen und deren Informationen quer verlinken kann? Was ich damit meine ist, dass Sie Ihre Fotos von Flickr oder Ihre Tweets von Twitter auf inzwischen beinahe jeder dieser Plattformen querverlinken können. Was wiederum die Möglichkeit schafft, dass jemand, der Sie bei Facebook kennt, Ihre Fotos sieht, die bei Flickr liegen, obwohl er oder sie dort kein profil hat.

Einerseits gut für Flickr, denn Sie machen wunderbare effektive und im Prinzip kostenlose Werbung für Flickr. Der viel spannendere Aspekt ist, dass dadurch eine Verschmelzung dieser Plattformen beginnt.
Es wird viel über Zugriffe und Statistiken diskutiert. Aktuell gestern im einem Blog der FAZ “Netzökonom”, den ich regelmäßig lese. “Wer mit wem und wer über wen” usw usw. Alles von gestern, meiner Meinung nach.

Hier der Kern der Theorie. Die Plattformen werden zusammen wachsen. Es spielt bald keine Rolle mehr bei welcher einer solchen Plattform Sie angemeldet oder aktiv sind. Denn sind Sie bei einer, dann sind sie querverlinkt bei allen anderen. Zu Ihrer Persönlichkeit entsteht ein globales Profil. Sie hinterlassen Anhaltspunkte. Sie sind vielleicht bei Facebook ein Fan von einer Band, vielleicht haben Sie Ihre Meinung darüber geäußert, dass Vinyl ein viel besseren Klang hat als diese völlig unemotionalen CDs. Sie ahnen was kommt. Diese beiden Merkmale kombiniert, lassen den Schluss zu, dass wenn die band, die Sie mögen, ein nächstes Album auf Vinyl herausbringen würde, die Wahrscheinlichkeit hoch wäre, dass Sie ein Kaufinteresse an dieser Platte haben.
Das meine ich jetzt gar nicht unbedingt im Sinne von Werbung, denn wenn Sie diese Info erhielten würden Sie sich freuen, denn  Sie mögen die Band und Sie lieben Vinyl-Platten – Sie haben zu beidem eine emotionale Verbindung. Diese würde sogar verdoppelt, denn Sie freuen sich zwei Mal! :)

Es gibt bereits Untersuchungen, die sagen, man kann einen Menschen, der im Internet mittelmäßig aktiv ist, anhand seiner Informationen, die er hinterlässt, mit sehr hoher wahrscheinlichkeit im realen Leben identifizieren. Die Diskussion über Datenschutz ist, bis auf Geheimzahlen und Pins, im Prinzip schon längst entschieden. Wäre uns unsere Anonymität SO wichtig, müssten wir ja nicht unsere Gedanken, Bilder, Informationen ins Netz hinaus schießen, ODER?

Die Erkenntnis dieser These? Gute Frage.
Es wird extrem interessant werden, wenn Menschen, dass Wissen, was sie wissen wollten, um ein Projekt fertigzustellen, vielleicht eine Entscheidung zu treffen, für die sie bis dato nicht alle nötigen Informationen hatten. Wenn ein Unternehmen auf einen neuen Markt aufmerksam wird, weil es von diesem Markt bisher keine Kenntnis hatte. Wenn eine Regierung vielleicht ein Model entdeckt, welches ein Student aus Japan ins Netz gestellt hat und vielleicht die Lösung für ein oder mehrere Probleme hat, nach der wir suchen. Wer weiß schon, was jemand auf der anderen Seite des Planeten, der einen ganz anderen Blick auf Dinge hat, fühlt, denkt und für Ideen hat.

Ich freue mich über Feedback. Mehr als je zuvor! Ich würde gerne Ihre Meinung wissen!

Post to Twitter Post to Facebook

  1. No comments yet.

  1. No trackbacks yet.

        nowNthen Oliver Ries bei facebook nowNthen Oliver Ries bei twitter nowNthen Oliver Ries bei XING nowNthen Oliver Ries bei deviantART nowNthen Oliver Ries bei flickr nowNthen RSSfeed nowNthen Oliver Ries bei linkedin nowNthen Oliver Ries bei stumbleupon nowNthen Oliver Ries bei ISSUU nowNthen Oliver Ries bei digg